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Das Märchen von der Nordseepipeline Teil 1 - Wie alles begann.

100 Jahre Werraversalzung und 100 Jahre Diskussion über eine Nordseepipeline – gebaut wurde sie nie.

Eine Geschichte für Träumer und solche, die nicht aufwachen wollen


Teil I: Wie alles angefangen hat

Teil II: Warum der „Große Wurf“ nicht gelungen ist

Teil III: Die Diskussion über die Nordseepipeline ist nützlich – für K+S

Teil IV: Ein Märchen im Märchen: Die Oberweserpipeline als „Erster Schritt“

Für die einen ist sie in einer undurchsichtigen Situation die einzig vorstellbare
Möglichkeit, die Versalzung von Werra und Weser zu beenden – wenn auch
nicht absehbar ist, wann dies zu erreichen sein könnte.

Die WWA e.V. sieht in der Diskussion um die Nordseepipeline den leicht zu
durchschauenden Versuch, alle wirksamen Ansätze zur Verringerung der
Salzbelastung der Flüsse zu verschleppen, nach Möglichkeit bis zur Aufgabe
der Kaliförderung im Werrarevier.

Urteilen Sie selbst, es folgt der erste Teil des Märchens:

1913 „Die Verdampfung der Abwässer im Werra-Revier wurde schon 1912 diskutiert und der Bau einer
Abwasserleitung bis zum Meer 1913“ weiß die FAZ am 17. März 2008 zu berichten.

1957 Im Jahre 1957 haben Landwirte Schadenersatz für ihre versalzenen Wiesen gefordert; sie wurden mit dem
Hinweis beruhigt, man plane eine Abwasserpipeline zur Nordsee. Die amtlichen Gesprächsprotokolle
liegen uns vor.

1977 Das VEB Kombinat KALI hat im Jahre 1977 eine Projektstudie vorgelegt. Dort ist für eine
Gesamtabwassermenge von rund 48,5 Mio. m3/a eine gemeinsame Leitung der Ost- und Westbetriebe
des Werragebietes
geplant worden. Die Kosten beliefen sich bei dieser Ermittlung auf einen Gesamtwert
von 2.870 Mill. Ost-Mark, die jährlichen Betriebskosten wurden mit 137 Mio. Ost-Mark angegeben. Bei diesen
Zahlen wurden Abschreibungen mit berücksichtigt. (Quelle: RP Kassel, Endbericht Pilotprojekt Werra-
Salzabwasser, Januar 2007, S. 81 f.)

1979 Im Jahr 1979 wurde im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft der Länder zur Reinhaltung der Weser ein
Rahmenentwurf zum Bau einer Salzabwasserleitung an die Nordsee geprüft. Die Gesamtinvestition wurde
mit 1 Milliarde DM und die laufenden Betriebskosten mit 13 Mio. DM/Jahr angesetzt. Dabei wurden die
Abschreibungen nicht berücksichtigt.(Quelle: RP Kassel, Endbericht Pilotprojekt Werra-Salzabwasser, Januar
2007, S. 81 f.)

2008 Im Februar 2008, also noch bevor der so genannte „Runde Tisch“ zum ersten Mal zusammentreten konnte,
hat K+S bei Verhandlungen mit der Regierung des Freistaats Thüringen erneut die Möglichkeit einer
Pipeline zur Nordsee
eingeräumt:

„Salzbrühe ins Meer

Der Düngemittelhersteller Kali + Salz hat endlich ein Entsorgungskonzept auf den Tisch gelegt. Und als eine Alternative auch den Bau einer Pipeline zur Nordsee eingeräumt. Doch es gibt weiter Befürchtungen. Zu Recht.

titelte die Thüringer Allgemeine am 14. Februar 2008.

Auch Landespolitiker blieben skeptisch (ebenfalls TA vom 14.02.2008):

"Holzauge sei wachsam", formulierte gestern Katja Wolf (Linke) den Fortschritt in den Verhandlungen um eine langfristige Entsorgung. Natürlich sei es ein Erfolg aller, die gegen die weitere Einleitung von Salzlauge in die Werra gekämpft haben, so die Eisenacher Landtagsabgeordnete. Ihre Fraktion werde aber aufpassen, dass der Konzern nicht nur auf Zeit spielt. Ähnlich sieht es SPD-Kollege Heiko Gentzel. "Ich warne, leichtgläubig zu sein", sagte er gestern. Solange nichts Schriftliches vorliegt, sollte man sehr vorsichtig sein. "Wir brauchen Eckdaten und Ziffern, keine Absichtserklärung", forderte Gentzel.“


Die Südthüringer Zeitung wusste am selben Tag zu berichten:

„Der Düngemittelkonzern K+S hat ein Entsorgungskonzept vorgelegt und plant offensichtlich auch mit dem Bau einer Pipeline zur Nordsee, um die Umweltprobleme der Kaligewinnung in Hessen und Thüringen in den Griff zu bekommen.

Die Pipeline zur Nordsee spiele im langfristigen Entsorgungskonzept des Konzerns „eine zentrale Rolle“, sagte Umweltstaatssekretär Stefan Baldus der stz Anfang der Woche hatte K+S das von Thüringen geforderte langfristige Entsorgungskonzept vorgelegt. Das bestätigten sowohl Umweltministerium als auch ein K+S-Sprecher. Die Vorlage eines solches Konzeptes bis Ende Februar hatte das Thüringer Landesbergamt als Bedingung in der Genehmigung aufgenommen, die es K+S erlaubt, als Zwischenlösung bis Mai bis zu 500 000 Kubikmeter Abwässer aus der Kali-Produktion in Unterbreizbach im ehemaligen Schacht Springen zu lagern. Sie sollen später wieder zurückgepumpt werden.“


Das Handelsblatt kannte jedoch schon erste Einschränkungen, mit denen K+S vorangegangene Meldungen „zurechtrückte“ (ebenfalls am 14.02.2008):

„K+S prüft angeblich Nordseepipeline für Salzlauge

Im Streit um die Einleitung von Salzlauge aus der Kaliproduktion in die Werra prüft der Kasseler Düngemittelhersteller K+S angeblich den Bau einer Pipeline zur Nordsee. (…)

Ein Sprecher des Unternehmens wollte die Meldung allerdings "zurechtrücken": Der Bau der Pipeline werde schon seit Jahren geprüft, es sei aber nur eine von vielen Varianten. (…)

Ein Bestandteil dieses Konzepts sei die Rohrleitung zur Nordsee. In dem Konzept erwäge K+S die Möglichkeit, die Pipeline zu bauen. K+S -Sprecher Oliver Morgenthal sagte jedoch, die Prüfung dieser Variante sei nicht neu: "Wir halten die Einleitung in die Werra für die nach wie vor beste Lösung.

Alle anderen Varianten wurden und werden aber geprüft, auch die einer Pipeline." Neben den Kosten für eine solche Rohrleitung sprächen aber auch rechtliche Fragen dagegen. "Wir bezweifeln, dass man eine Rohrleitung durch drei Bundesländer legen kann, zumal mehrere Nordsee-Abkommen dem im Wege stehen könnten." (…)

In einer Mitarbeiterinformation wird die Skepsis des Unternehmens gegenüber der Nordseepipeline noch einmal vertieft und mit neuen Argumenten unterfüttert. Dieter Friedrich, Werkleiter Neuhof-Ellers, antwortet auf die Frage:

„... und was ist mit der Nordsee-Pipeline oder einer Entsalzungsanlage?“

Dieter Friedrich: „Der Bau einer Leitung zur Nordsee ist deshalb keine Alternative, weil die Genehmigungs- und Bauzeit viele Jahre in Anspruch nehmen würde. So viel Zeit haben wir nicht. Außerdem ist eine solche Lösung ökologisch umstritten, da „unser“ Salzwasser ganz anders zusammengesetzt ist als das Wasser der Nordsee.“


Infoblatt Salzwasserentsorgung 2008

Trotz all dieser Bedenken schreibt K+S dem so genannten Runden Tisch die Nordseepipeline als zentrales Thema vor:

„Südthüringer Zeitung 13.03.2008

K+S

Nordseepipeline zentrales Thema

Am Dienstag konstituiert sich der runde Tisch „Gewässerschutz Werra/Weser und Kaliproduktion“

Und natürlich die Nordseepipeline. Sie werde „ein erstes zentrales Thema“ des runden Tisches, so Göbel. Eine teure Angelegenheit. Einen hohen dreistelligen Millionenbetrag müsse man dafür investieren, Kosten und jährlich Betriebskosten in einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag, so Göbels vorsichtige Schätzungen.

Aber möglicherweise „der große Wurf“, den das Unternehmen laut Göbel vom runden Tisch erhofft. Als Langfristlösung genieße sie „eine gewisse Sympathie bei K+S“.

Mögliche Trassen prüfe man bereits. „Da sind wir dran“, versichert der K+S-Sprecher. Es sei zudem zu prüfen, wie die Pipeline mit internationalen Verträgen und dem Wattenmeer als Weltkulturerbe zu vereinbaren sei. Letztlich flösse das Salzwasser aber auch jetzt schon in die Nordsee, allerdings nur in einer Konzentration von 200 Milligramm pro Liter. Nach dem Werk Werra sind es bis zu 2500 Milligramm. Auch gebe es bereits anderweitig Einleitungsgenehmigungen, zeigt sich Göbel optimistisch. Aber nur für Kochsalz, nicht für Magnesiumverbindungen, wie sie in den K+S-Laugen auch vorkommen. (…)

Wenn auch die Nordseepipeline nicht möglich sein sollte, müsse der runde Tisch nach der „nächstbesten Lösung“ suchen, so O-Ton Göbel.“

Hier ist allerdings eine Korrektur nötig. Die vom Unternehmen angegebene Chloridkonzentration von 2.500 mg/Liter ist irreführend und hier nicht anwendbar, sie gilt als Maximalwert für das Werrawasser am Pegel Gerstungen. Da aber nicht die gesamte Werra an die Nordsee gepumpt werden soll, sondern nur die Abwässer, muss man schon deren Chloridgehalt zum Vergleich heranziehen. Er beträgt durchschnittlich etwa 200.000 mg/Liter und damit das 80fache des vom Unternehmen angegebenen Wertes.


Pressemitteilung der WWA vom 15.02.2008


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